Bid Ask Spread einfach erklärt: So liest du Kurse richtig

17 Euro minus bei der ersten Aktienorder – ohne Crash, ohne Fehler. Nur der Bid-Ask Spread, den jeder Trader zahlt und kaum einer sieht. Warum er deine Rendite frisst und wie du ihn mit Limit-Orders austrickst.

Bid Ask Spread einfach erklärt: So liest du Kurse richtig

Bid und Ask: der Spread, den jeder Trader zahlt und kaum einer sieht

17 Euro. So viel hat mich der Bid-Ask Spread bei meiner ersten Aktienorder gekostet, ohne dass ich es überhaupt gemerkt habe. Ich hatte brav eine Market-Order platziert, der Kurs tat genau das, was ich wollte, und trotzdem war ich sofort 17 Euro im Minus. Kein Börsencrash, kein Fehler im System. Nur der Spread.

Ich erzähle das, weil ich damals drei Wochen gebraucht habe, um zu verstehen, was da eigentlich passiert ist. Bid und Ask sind zwei Kurse, die gleichzeitig für ein und dasselbe Wertpapier gelten, und die Lücke dazwischen (der Bid-Ask Spread) ist eine der wenigen Konstanten im Trading: Du zahlst ihn immer, egal ob du gewinnst oder verlierst.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Bid ist der Kurs, zu dem du verkaufst. Der Ask ist der Kurs, zu dem du kaufst. Immer.
  • Der Spread ist die Differenz zwischen beiden und ein versteckter Kostenfaktor, den Broker selten prominent ausweisen.
  • Kurze Spreads bedeuten liquide Märkte. Weite Spreads fressen deine Rendite, bevor der Handel überhaupt beginnt.
  • Du kannst den Spread nicht umgehen, aber du kannst ihn messen, vergleichen und mit Limit-Orders aktiv beeinflussen.
  • Bei EUR/USD liegt der Spread oft bei 0,1 Pip. Bei kleinen Nebenwerten kann er problemlos 2 % des Kurses ausmachen.

Was heißt Bid und Ask eigentlich genau?

Stell dir einen Flohmarkt vor. Auf der einen Seite steht eine Frau, die ihre alte Kaffeemühle für 20 Euro verkaufen will. Auf der anderen Seite stehst du, und du willst maximal 18 Euro bezahlen. Zwischen euch beiden liegt eine Lücke von 2 Euro. Genau das ist der Spread.

Was heißt Bid und Ask eigentlich genau?
Image by InsightPhotography from Pixabay

An der Börse heißt die Frau Ask (von englisch „asking price“, der geforderte Preis), und du heißt Bid (dein Gebot). Beide Seiten stellen ihre Orders in ein Orderbuch, und das Orderbuch zeigt dir, wo die Lücke gerade liegt.

Bid, Ask und der stille Dritte: der Mid Price

Zwischen Bid und Ask sitzt ein Wert, den du in vielen Chartprogrammen siehst, ohne es zu wissen: der Mid Price, der Mittelwert aus beiden Kursen. Wenn Bid bei 99,90 € und Ask bei 100,10 € liegt, ist der Mid bei 100,00 €. Charts werden meist auf den Mid gezeichnet, deshalb wirkt der Kursverlauf glatter als das, was du tatsächlich beim Kauf oder Verkauf bekommst.

Diese Detail ist einer der Gründe, warum Anfänger sich wundern, wenn ihr Konto nach dem Kauf nicht exakt den Kurs widerspiegelt, den sie im Chart gesehen haben. Ehrlich gesagt habe ich das monatelang ignoriert und mich gefragt, ob mein Broker mich betrügt. Tat er nicht. Er zeigte mir nur den Ask, während der Chart mir den Mid zeigte.

Wie berechnet man den Bid-Ask Spread? Ein Rechenbeispiel mit echten Zahlen

Kein anderer Aspekt rund um Bid und Ask wird so oft falsch dargestellt wie die Berechnung. Kaum eine Quelle im Netz zeigt konkrete Zahlen, dabei ist die Formel banal.

Wie berechnet man den Bid-Ask Spread? Ein Rechenbeispiel mit echten Zahlen
Image by sesostris78 from Pixabay

Spread in Punkten vs. Spread in Prozent

Der absolute Spread ist einfach die Differenz:

Spread (absolut) = Ask − Bid

Konkret: Ein Wertpapier notiert mit Bid 99,90 € und Ask 100,10 €. Die Differenz beträgt 0,20 €. So weit, so einfach.

Nützlicher wird es in Prozent, weil du damit verschiedene Instrumente vergleichen kannst:

Spread (%) = (Ask − Bid) / Ask × 100

Im Beispiel: (100,10 − 99,90) / 100,10 × 100 = 0,2 %. Das heißt: Du zahlst beim Kauf sofort 0,2 %, und beim Verkauf noch einmal denselben Spread in umgekehrter Richtung. Ein Wertpapier muss also um etwa 0,4 % steigen, nur damit du bei null landest.

Wann ist ein Spread „gut“?

Das hängt komplett vom Markt ab. Eine grobe Orientierung, die ich mir aus eigenen Beobachtungen und zahlreichen Vergleichslisten zusammengereimt habe:

Asset-Klasse Typischer Spread Zu beachten
EUR/USD (Forex, Standardkonto) 0,1–1,5 Pips Volatilität bei wichtigen News kann auf 5+ Pips explodieren
DAX- oder S&P-500-ETF 0,02–0,15 % Zu Handelszeiten deutlich enger als vor Börsenöffnung
Deutsche Blue Chips (SAP, Siemens) 0,03–0,1 % Weite Spreads nur außerhalb der Xetra-Zeiten
Small Cap, dünner Handel 0,5–3 % Hier frisst der Spread oft die komplette Tagesrendite
Kryptowährungen (Bitcoin, ETH auf großen Börsen) 0,02–0,3 % Variiert stark je nach Börse und Ordergröße

Du siehst an dieser Tabelle: Den Spread zu kennen nützt nichts, wenn du ihn nicht ins Verhältnis zur Anlageklasse setzt. Ein Spread von 0,5 % ist bei einem Small Cap normal, bei einem DAX-Titel wäre er ein Alarmsignal.

Was der Bid-Ask Spread mit deiner Break-Even-Schwelle macht

Eine Sache, die in keinem der gängigen Erklärartikel steht, die ich gelesen habe: Der Spread ist dein persönlicher Break-Even-Punkt. Konkret gerechnet, bei 0,2 % Spread auf beiden Seiten:

  • Kauf bei 100,10 €, du zahlst 10.010 € für 100 Anteile
  • Damit du ohne Verlust verkaufen kannst, muss der Bid auf mindestens 100,30 € steigen
  • Das ist ein Kursanstieg von rund 0,4 %, damit du genau bei null landest

Und dann kommen noch Ordergebühren und ggf. Steuern. Ein „runder“ Trade ist erst dann wirklich rund.

Warum ist der Spread manchmal 0,02 % und manchmal 3 %?

Ich habe mal eine Order in den letzten fünf Handelsminuten platziert, ohne darüber nachzudenken. Der Spread bei dem betreffenden US-Nebenwert lag zu diesem Zeitpunkt bei 1,8 % — normalerweise handelt er bei etwa 0,4 %. Ich habe schlichtweg den falschen Moment erwischt.

Warum ist der Spread manchmal 0,02 % und manchmal 3 %?
Image by BruceEmmerling from Pixabay

Vier Faktoren, die den Spread treiben

  1. Liquidität: Je mehr Marktteilnehmer aktiv mitbieten, desto enger der Spread. Deshalb sind DAX-Werte zu Xetra-Zeiten so günstig zu handeln.
  2. Volatilität: Bei hoher Unsicherheit ziehen Market Maker ihre Quotierungen zurück oder erweitern sie. Ein Spread von 5 Pips statt 0,5 Pips ist an einem Zinstermin-Tag keine Seltenheit.
  3. Handelszeit: Vor Börsenöffnung und nach Handelsschluss wird es dünn. Vorbörsliche Spreads liegen schnell beim Drei- bis Fünffachen des Tageswerts.
  4. Ordergröße: Ein kleiner Trade wird zum besten Kurs gefüllt. Eine Order über mehrere hunderttausend Euro frisst mehrere Ebenen im Orderbuch und du zahlst effektiv einen schlechteren Durchschnittspreis.

Wer nur einen einzigen dieser Faktoren ignoriert, handelt systematisch teurer. Ich spreche aus Erfahrung: Ich habe über ein Jahr meine Orders aus Bequemlichkeit immer zur Mittagszeit platziert — genau dann, wenn die US-Märkte noch nicht offen sind und die Spreads in Frankfurt weiter sind als morgens.

Wie du den Bid-Ask Spread praktisch senkst

Du kannst den Spread nicht wegzaubern, aber du kannst ihn deutlich reduzieren. Drei Strategien, die bei mir wirklich etwas gebracht haben:

Limit-Order statt Market-Order

Der wichtigste Hebel. Bei einer Market-Order akzeptierst du jeden Kurs, den der Markt gerade anbietet — also immer auch den schlechteren. Bei einer Limit-Order bestimmst du deinen Preis selbst und landest direkt im Orderbuch. Manchmal wirst du nicht gefüllt. Das ist der Preis.

Nach meiner Umstellung auf durchgängige Limit-Orders sank meine durchschnittliche Handelsbelastung um etwa 0,15 % pro Trade. Bei einem Portfolio, das ich damals etwa vierzigmal im Jahr bewegte, machte das über 500 Euro aus — für einen Anfänger eine relevante Summe.

Zu den Hauptbörsenzeiten handeln

Zwei Fenster sind fast immer am liquidesten: die ersten zwei Stunden nach Xetra-Öffnung (9:00 bis 11:00 Uhr) und die letzten zwei Stunden vor Xetra-Schluss (15:30 bis 17:30 Uhr). Dazwischen, vor allem zwischen 12 und 14 Uhr, bluten die Spreads bei Nebenwerten gerne aus.

Kleine Positionen splitten? Vorsicht.

Bei sehr großen Ordern macht es Sinn, in mehreren Tranchen zu kaufen. Bei kleinen Beträgen ist das Gegenteil der Fall: Zweimal 200 Euro zu handeln kostet dich zweimal Ordergebühr und zweimal Spread. Das habe ich anfangs falsch gemacht und mich gewundert, warum meine Mini-Trades so teuer waren.

Was ist der Unterschied zwischen Bid und Ask nochmal in einem Satz?

Bid ist der Preis, den jemand bereit ist zu zahlen (du verkaufst dort). Ask ist der Preis, den jemand verlangt (du kaufst dort). Der Spread ist die Lücke.

Ist der Spread bei Aktien oder bei Forex höher?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Ein liquides Währungspaar wie EUR/USD hat oft einen engeren relativen Spread als eine deutsche Nebenwertaktie, aber der Vergleich hinkt: Forex-Broker verdienen häufig stattdessen an Kommissionen. Vergleiche immer den relativen Spread (in Prozent), nicht nur die absoluten Zahlen.

Zählt der Bid-Ask Spread zu den Transaktionskosten?

Ja, er ist ein impliziter Kostenfaktor. Er wird von deinem Broker nicht als Gebühr ausgewiesen, wirkt aber wirtschaftlich genau gleich: Du zahlst beim Kauf und beim Verkauf.

Was ich nach fünf Jahren über Bid und Ask denke

Der Spread ist keine Kleinigkeit, aber er ist auch nicht der Feind. Er ist Marktinfrastruktur. Jemand stellt Liquidität bereit, trägt ein Risiko und bekommt dafür eine Marge. Fair genug.

Was mich ärgert, ist die Intransparenz. Broker werben mit „0 € pro Trade“, während der Spread bei ihrer Plattform doppelt so hoch ist wie bei der Konkurrenz. Diese Rechnung geht in der Werbung nie auf. Sie muss man selbst machen.

Wenn du eine einzige Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Bevor du irgendetwas kaufst, schau dir an, wie weit Bid und Ask gerade auseinanderliegen. Wenn die Differenz mehr als ein Prozent beträgt oder sich das Papier außerhalb der Hauptzeiten handelt, warte. Warten kostet nichts. Der Spread kostet immer.

Und falls du dich jetzt fragst, was der nächste Schritt ist: Vergleiche die Spreads deiner eigenen letzten zehn Trades mit den Werten aus der Tabelle oben. Ich wette, du findest mindestens einen, bei dem du deutlich zu viel bezahlt hast. Den wirst du nicht vergessen. Ich habe meinen noch in Erinnerung — die 17 Euro von damals.

Stefan Kaiser
AUTOR

Stefan Kaiser ist Journalist und befasst sich seit mehr als zehn Jahren mit den Themenfeldern Finanzen, Immobilien, Frauen, Mode und Wirtschaft. Er hat unter anderem über Börsenentwicklungen, Immobilienmärkte, Modetrends und Unternehmensstrategien berichtet. Seine Texte zeichnen sich durch eine sachliche und faktenbasierte Darstellung komplexer Zusammenhänge aus.

Alle Artikel ansehen ›